“Dann appellierte Botha an das Ehrgefϋhl der Sϋdafrikaner als Untertanen der britischen Krone. Sich an die afrikaanssprechenden Bϋrger des Landes wendend, betonte er dabei, dass sie noch niemals – selbst in ihren schwärzesten Tagen nicht – versucht hätten, den Weg des Verrats zu gehen … ’Wenn Grossbritannien’ so rief er den Abgeordneten zu, ‘jemals in einen Krieg mit sauberen Händen eingetreten ist, so jetzt.’ ……Nun ergriff General Smuts das Wort. ‘Unsere Mutterländer sind angegriffen … Wir haben belgisches, französisches und englisches Blut in unseren Adern. Die Regierung der Union hat Informationen, die klar beweisen, dass die deutsche Regierung seit vielen Tagen ihre Augen auf Sϋdafrika hat.’” (Auf Verlorenem Posten, Seite 41 und 42 Walter Nuhn).
Ergreifende Worte, erbärmlich ergreifend logen diese beiden Volkshelden, dass sich im Hohen Haus die Balken bogen. Das Ziel war erreicht, der Krieg eine beschlossene Sache. Nun mussten nur noch ein paar bestehende Verträge gebrochen werden (Nichtangriffspakt – Kongo Akte von 1885) und schon konnte jede Bananenrepublik mit Verbindung zum Empire an den Raubzϋgen teilnehmen, um sich zu bereichern. Der unvermeidliche “ Fluch der bösen Tat” im Sinne Friedrich Schillers liess nicht lange auf sich warten.
Das Gefecht von Pforte/Jakalswater/Riet. 20.März. 1915.
“Unsicher gemacht durch das deutsche Artilleriefeuer und wohl die Stärke der ihm gegenϋberstehenden deutschen Kräfte weit ϋberschätzend, brach Collins gegen 9 Uhr das Gefecht ab und setzte sich mit seinen Truppen an den Pfortebergen vorbei nach Husab ab.
Dieser Rϋckzug muss mehr oder weniger fluchtartig erfolgt sein. Dr. Suchier schreibt hierϋber: “ … Nach knapp einstϋndigem Artilleriefeuer zogen es die Buren vor, ihr kostbares Leben nicht länger aufs Spiel zu setzen; ihre Schiesserei klang dünn und dünner und hörte schliesslich fast ganz auf. Und dann kam das Merkwϋrdige: Sie rissen aus! 1500 Mann in gedeckter Stellung rissen aus vor vier Gebirgsgeschϋtzen und 50 Gewehren! Alle Achtung! – Ein schneller Stellungswechsel brachte uns 1000 m nördlich, liess uns das Gelände frei ϋbersehen und – hell auflachen: In wirrem Durcheinander, mit krummen Rϋcken, preschten sie schwadronsweise in schärfster Gangart davon, als wäre der böse Geist hinter ihnen her. Der kam nun auch wirklich heulend hinter ihnen dreingefahren, spuckte Schrapnellkugeln dazwischen und sass ihnen im Nacken bis die Entfernung 5000 m. ϋberstieg und unsere Kanonen schweigen mussten. Der Angriff auf Jakalswater war abgeschlagen, die zwölffache Übermacht ritt drei Kreuze gen Westen und liess obendrein 40 unverwundete Gefangene und 50 Pferde in unserer Hand.” ( Auf Verlorenem Posten, Walter Nuhn, Gondwana Collection).
Wir verdanken diese Beschreibung dem Batteriearzt Dr. Suchier. Er war der Reservebatterie des Hauptmannes von Mϋnstermann, mit 4 Gebirgsgeschϋtzen und 20 Gewehren zugeteilt, und sie waren bei der Quelle Modderfontein stationiert.
Die Ruine von Modderfontein. Wir kehren später nocheinmal an diesen Ort zurϋck.
Dieser Bericht schildert eines von zwei oder drei Erfolgserlebnissen, die den hoffnungslos unterlegenen Schutztrupplern beschieden waren. Es war ein vergeblicher Versuch, dieses noch kaum entwickelte weite Gebiet gegen eine erdrϋckende Übermacht zu verteidigen. Die Verluste unter den Soldaten und den Pferden waren hoch, die Strapazen unvorstellbar. Obwohl Botha sehr darauf achtete, einen ehrenhaften Feldzug zu fϋhren, konnte Plϋnderei oft nicht verhindert werden. Im November 1918 war der Krieg “erfolgreich” beendet und die entsprechenden Leute konnten Geschichte schreiben lassen; die nötigen karrieregeilen Akademiker und Journalisten standen schon in den Startlöchern. Dieser Zustand veranlasste den Historiker William Henderson zur folgenden Bemerkung. “Vieles was ϋber Deutschlands ϋberseeische Besitzungen geschrieben wurde, ist durch Propaganda vergiftet. Die Schwierigkeiten, die den Weg versperren, um festzustellen, was sich zwischen 1884 und 1914 in den deutschen Kolonien wirklich ereignete, sind eine Herausforderung fϋr den Historiker. Es ist wichtig, dass die Spreu vom Weizen getrennt und die Wahrheit ermittelt wird.”
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