Propaganti: A weapon of myth destruction
A weapon of myth destruction

Ein Rückblick. Teil 1. – Bis 1919.

 Zu diesem Zeitpunkt hatten Portugal und Spanien bereits etwa 350 Jahre Kolonialgeschichte hinter sich;  England, Frankreich und Holland etwa 250 Jahre. Die Vereinigten Staaten von Amerika schafften mϋhelos den Sprung von der Kolonie (1582) zur Unabhängigkeit (1775) ϋber den mörderischen Bϋrgerkrieg (1861-65), bei dem es vorgeblich um die Befreiung der Sklaven ging, aber Wall Street existierte bereits seit 1792.  Der aufstrebende Sϋden, reich an Zucker und Baumwolle, musste unbedingt an die Leine. Der hochgelobte General William Tecumseh Sherman nahm den Befehl „kill and destroy“ wörtlich und entfesselte in der „Opreation Anaconda“ den totalen Vernichtungswillen. Seitdem gehört es auch in anderen Ländern zum guten Ton, besonders brutale militärische Operationen mit sinnigen Namen zu versehen. Von Sherman stammt auch der Spruch „Je mehr ich diese Roten kennenlerne, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, dass sie alle umgebracht werden mϋssen“. (Joachim Fernau. Halleluja-Die Geschichte der USA)

 Den Schritt zur Kolonialmacht tat 1898 Präsident McKinley, als die USS Maine im Hafen von Havanna aus „ungeklärten“ Grϋnden in die Luft flog. 260 tote US Soldaten sind allemal ein Grund den Krieg mit Spanien vom Zaun zu brechen. Puerto Rico, Phillipinen, Hawaii und Guantanamo Bay standen auf dem Menϋ. Hawaii bekam sodar ein Sternchen auf der US Flagge. Mark Twain machte  den genialen Vorschlag, die Sterne mit Totenköpfen zu ersetzen. Das letzte Massaker an den Indianern ereignete sich 1890 bei Wounded Knee, etwa 400 Jahre nach der Landung des C. Kolumbus in Nord Amerika. Über die Zahl der Opfer in dem Völkermord auf dem Amerikanischen Kontinent gibt es wild auseinanderklaffende Schätzungen, aber auch daran haben wir uns inzwischen gewöhnen mϋssen, bei der Beschreibung ähnlicher Begebenheiten. Sicher ist, dass dieser Völkermord alle Gräueltaten, vorher und nachher in der Geschichte des Menschheit, in den Schatten stellt. (Dee Brown. Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses)

Schon damals hatte sich die Berufung zum Weltbeglϋcker in U.S.A. herauskristallisiert. Der Secretary of State, Dean Rusk, veröffentlichte vor wenigen Jahres eine Liste mit 103 „interventions“ in fremden Ländern, zwischen 1798 und 1895. (Aufschlussreich zu diesem Thema ist das Buch „A Peoples History of the United States“ von Howard Zinn). 

Selbst der belgische König Leopold ll, dessen Rolle als einer der “erfolgreichsten” Massenmörder aller Zeiten bisher gekonnt unter den Teppich gekehrt wurde, konnte nach vielen fehlgeschlagenen Versuchen auch noch ein Stϋck von dem Kuchen ergattern, und zwar in Form des Belgischen Kongo, – 76 mal gröβer als Belgien. Italien war bisher leer ausgegangen nach zwei erfolglosen Angriffen auf Äthiopien und musste noch ein paar Jahre auf Lybien, Äthiopien, Eritrea und Somalia warten.

Viele Berichte ϋber die Kolonialherrschaft der Europäischen Grossmächte zeugen von Brutalität und Völkermord in gewaltigen Dimensionen. Allerdings sind diese Berichte zum grossen Teil mit Vorsicht zu genießen, wie so oft, wenn eine dϋrftige Beweislage, fragwϋrdige Interessenverbindungen und suspekte Augenzeugenberichte mit im Spiel sind.

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Bahnstation Jakkalswater

Nun zum Rϋckblick im Jahre 1900…“Nach fast unendlichen Bemϋhungen, Lauferei, guten Worten, vielem Geld, kamen wir am Dienstag, den 29. Mai (1900) glϋcklich dazu, mit der Bahn abzufahren. Die Spur ist 60cm breit, die Wagen lang und auf zwei kleinen Lorries ruhend. Es ist ein wahres Glϋck, dass die Bahn, wenn sie gewiss noch viel zu wϋnschen ϋbrig lässt, durch den wϋstesten Teil der Namib geht. Die verschiedenen Stationen waren unterschiedlich interessant, meist nur aus einem Stationsgebäude und einigen Eingeborenen Pontoks bestehend. Die Preise sind riesig; die Bahnarbeiter sind meist eine zusammengewϋrfelte Gesellschaft. Bierflaschen sind am meisten vertreten, sie liegen ϋberall haufenweise herum. Die Leute haben Schulden in den Stores und Wirtschaften, oft bis tausende von Mark. Erste Station Nonidas, dort ist eine Schlachterei  fϋr Swakopmund; es stehen einige Truppenpferde dort. 2te Station Richthofen, 3te Station Khan, 4te Khanrivier, 5te Jakkalswater.
Um halb zehn etwa kamen wir an; wir logierten uns in der Bahnhofswitschaft ein, wo wir ganz leidlich aufgehoben waren. Das Ansprϋche-Stellen läβt man natϋrlich bald bleiben. Hat mir doch ein Frankfurter Wϋrstchen mit Bratkartoffeln ein freudig staunendes Ah! entlockt. In Khan war in einem  Göpelpumpenwerk ein Maulesel, der sich bei meinem Anblick so freute, dass er schreiend, an mir nicht vorbeizutreiben war, zum grossen Gaudium der Anwesenden.”…..( Aus dem Tagebuch des Erich Rust, Rittmeister bei der preussischen Kavallerie in Berlin auf seiner Reise nach Windhoek, Sϋd West Afrika, um sich dort als Landwirt zu etablieren. –  Ondekaremba, Farmerleben in Sϋdwestafrika)
Bahnstation Jakkalswater, 1900. Mit freundlicher Genehmigung, Oliver Rust. Gästefarm Wϋstenquell.