Aber nun zurϋck ins sϋdliche Afrika.
…”Schon komisch, dass jemand (Jan Smuts), der eben noch ein enger Freund und Verbϋndeter von Rhodes war, plötzlich alles in seiner Macht Stehende tat, um dafϋr zu sorgen, dass Milner und Rhodes genau das bekamen was sie so verzweifelt wollten: Krieg … Milners Marionetten Percy FitzPatrick und Jan Smuts hatten die ihnen zugedachten Rollen hervorragend umgesetzt, indem sie ihm zu dieser “unvermeidbaren” Krise verhalfen … Rund 30 000 Höfe der Buren wurden niedergebrannt, das Vieh der Bauern wurde geschlachtet. Es war praktisch eine ethnische Säuberung, die Entwurzelung einer ganzen Nation. “ (Verborgene Geschichte, Gerry Docherty & Jim Macgregor, Wie eine geheime Elite die Menschheit in den Ersten Weltkrieg stϋrzte, Seite 45, 47 und 51, 2014)
Über die hässliche Wahrheit in den etwa 100 Konzentrationslagern, in welchen ϋber 26 000 Frauen und Kinder an Unterernährung und Epidemien starben, berichtete Emily Hobhouse 1902 (The Brunt of War, and Where it Fell).
Stand den Siedlern in Südwestafrika ein ähnliches Schicksal bevor? Die Sorge war gewiss nicht unberechtigt im Hinblick auf die an Naivität grenzende Ahnungslosigkeit mancher Beamter. Winston Churchill tritt in dieser Zeit zum ersten Mal in Erscheinung als Kriegsberichterstatter im Anglo-Burenkrieg. Selbstverständlich wilde Abenteuer erlebend, kernige Sprϋche klopfend. Ob die darauf folgende Geschichte einen anderen Verlauf genommen hätte, wenn die Buren ihn liquidiert hätten, als sie ihn erwischt hatten, statt ihn wieder laufen zu lassen? Wird er nicht heute, in manchen Kreisen, als “der gröβte Brite aller Zeiten” gefeiert?
„…Da die Regierung bei dem Verkauf der für sie sonst wertlosen Gewehre mit M 71 ein brillantes Geschäft machte, so ist anzunehmen, dass in dieser Gewehrverkaufsfrage die hiesige Geldknappheit, respektive die Kurzsichtigkeit und Kleinigkeitskrämerei der heimischen Kolonialverwaltung ein wichtiges Wort mitgesprochen hat.” (Erich Rust, Ondekaremba, Seite 52).
Dem aufmerksamen Beobachter werden gewisse Parallelen zu aktuellen Entwicklungen in der Politik nicht entgehen. Es werden missratene Enscheidungen getroffen, welche vermeintlich dem Guten dienen, letztendlich aber nur dunkle Mächte im Hintergrund stärken. Diese erkannten schon frϋh, worauf es ankam: den Zusammenhalt der Gemeinschaft abbauen und eine relativ bindungslose Gesellschaft fördern. Um dies in die Wege zu leiten, finden sich leider immer zahlreiche Akademiker und Rechtsanwälte, die der reichen Belohnung nicht wiederstehen können.
Nach dem Ende des Aufstandes durfte Erich Rust mit acht Mann Besatzung zurϋck auf die Farm. Die Familie blieb vorerst noch in Windhoek. Die Farmer, die wieder einen Neuanfang wagen wollten, hatten von der Verwaltung Teile des zurϋckerbeuteten Viehs zugeteilt bekommen, um das zu ermöglichen. Am 13. April 1905 ereignete sich erneut ein Überfall auf das mit Wellblechplatten verschanzte Farmhaus. Ein Soldat und drei Mann der Damara Farmangestellten verloren dabei ihr Leben. Einem Mann namens Kawib wurde bei lebendigem Leibe der Bauch aufgeschlitzt. Sämtliches Vieh wurde abgetrieben. Unterstϋtzt von einigen wenigen Schutztrupplern, Freiwilligen und Nachbarn, deren Vieh auch gestohlen wurde, machte sich Erich Rust auf den Weg, die Herden zu finden.
Der Herero Aufstand, Erich Rust, Ondekaremba, Deutsch-Sϋwestafrikanische Zeitung. 24. Mai 1905.
Stimmungsbild
„ … So ging es dann in die buschbestandene Mondlandschaft hinaus, da, da brϋllte doch etwas, da mϋssten sie sein, und mit einem Freudenschrei drϋckte man seinem Pferde die Sporen in die Flanken, und ausgeschwärmt ging es durch dick und dϋnn vorwärts. In wenigen Minuten sah man im Mondschein einige Stϋcke Kleinvieh, die jammervoll blökten. Da blitzte es auch schon aus den dunklen Bϋschen und ein Nahkampf entspann sich, bei dem etwa 12 Mann von dem Raubgesindel das Leben lassen mussten. Mir selbst waren nur wenige Reiter mit den besten Pferden gefolgt, denn ich jagte vor, um meine Rinder wiederzufangen. So eilte ich mit dem Revolver in der Faust schlieβlich nur noch begleitet von Herrn D., um die kilometerlange Reihe der verängstigten Tiere zu ϋberholen, durch die Dornen dahin. Glϋcklich erreichten wir die vordersten Tiere, die wir mit Mϋhe in ihrer Flucht aufhielten und nach einem freien Gelände drängten.”….. (Ondekaremba, Farmerleben in Sϋdwestafrika, Seite 53)
Über den Hererokrieg ist viel geschrieben worden, zum grossen Teil an den aktuellen Zeitgeist angepasst und ausser fϋr Propagandazwecke, wertlos. Spontan vergossene Tränen bei entsprechenden Veranstaltungen im Überangebot, zeugen nicht von historischer Glaubwϋrdigkeit. Wer an einer ausgewogenen Schilderung interessiert ist, dem sei das Buch “Der Hererokrieg 1904” von Dr Claus Nordbruch, Sept 2001 empfohlen. Die Allgemeine Zeitung veröffentlichte am 26.April.2018 eine klare Erörterung der Geschichte und der Begleiterscheinungen von Wolfgang Reith und Hemut Lessing.