Aber noch ist es nicht so weit, die geplagten Nationen Europas haben eben erst den Krieg hinter sich gebracht, den Krieg von dem J.F. Fuller in „ Das Problem Europa“ schrieb: “Im August 1914 war jedenfalls keine Regierung mächtig genug, um den Krieg zu verhindern, denn ihre Existenz hing von den Leidenschaften einer Mobokratie ab, und alle Regierungen waren mehr oder weniger ausfϋhrende Organe einer ausfϋhrenden Superregierung – der internationalen Finanz”. Fuller erkannte es, Benjamin Disraeli (Britischer P.M. 1874 – 80) wusste es. “Regierungen regieren nicht, sondern kontrollieren nur die Abläufe, während sie selbst von Mächten im Hintergrund kontrolliert werden”. Die Mobokratie witterte Morgenluft, erkannte aber auch, dass die Völker Europas möglicherweise Widerstand leisten könnten. So forderte Nahum Goldmann, der spätere Präsident des Zionisischen Weltkongresses, 1915, mitten im Krieg strenge Massnahmen:
“So besteht denn die erste Aufgabe unserer Zeit in der Zerstörung: alle sozialen Schichtungen und gesellschaftlichen Formungen, die das alte System geschaffen hat, mϋssen vernichtet, die einzelnen Menschen mϋssen aus ihren angestammten Milieus herausgerissen werden; keine Tradition darf mehr als heilig gelten; das Alter gilt nur als Zeichen der Krankheit; die Parole heiβt: was war, muss weg. Die Kräfte, die diese negative Aufgaben unserer Zeit ausfϋhren sind: auf dem wirtschaftlich-sozialen Gebiete der Kapitalismus, und auf dem politisch-geistigen die Demokratie. Wieviel wir bereits geleistet haben, wissen wir alle; aber wir wissen auch, dass ihr Werk noch nicht ganz vollbracht ist … ein neues pyramidales, hierarchisches System muss errichtet werden.“ (N.Goldmann, Der Geist des Militarismus).
In der heutigen Zeit ist klar zu erkennen welche prominenten Mitglieder der Funktionselite im „vereinten Europa“ diese Dogmen in sich aufgesogen haben. Wie konnte sich dieser erbärmliche Zeitgeist, gut getarnt so gemϋtlich bei uns einrichten? M. Vahlefeld, in Die Deutschen zwischen Grössenwahn und Selbstverleugnung, klärt auf.
Diese Zeilen entstanden erstens aufgrund des Familienhintergrundes und zweitens aus Interesse an den historischen Ereignissen und wie sie den Werdegang der Völker beeinflussen. Es ist keineswegs ein Verleumdungsversuch, der Versuch Sϋndenböcke zu identifizieren oder gar Schuldkomplexe zu schϋren. Schliesslich lässt sich “ein lebensfreudiges Volk seinen Selbstbehauptungswillen nicht durch Hinweise auf seine Vergangenheit zerstören“( Gregory Johnson)). Darum darf man sich wundern, dass in Sachen Schuldkomplex und Kollektivsϋhne, schon seit Jahren der unangefochtene Meister einsam auf dem obersten Treppchen steht. Freiwillige Mitbewerber um diese jämmerliche Position sind eher zurϋckhaltend in ihrem Ehrgeiz.
Wird fortgesetzt: (1919 bis 1939) und (1939 bis heute, in Bearbeitung.)
Holger Rust. 11 November. 2018