“Ich wende die Lektionen aus dem ersten Weltkrieg an, es ist möglich, die öffentliche Meinung zu reglementieren, so wie eine Armee ihre Truppen reglementiert”.( Propaganda, Edward Bernais 1928).
Mit anderen Worten: Es ist leicht möglich, die öffentliche Meinung gleichzuschalten mit der veröffentlichten Meinung. Wer dahintersteckt, hat Noam Chomsky wie folgt erklärt:
“Die amerikanische Geschäftswelt war sehr beeindruckt von den angebotenen Möglichkeiten. Sie hatten damals ein Problem. Das Land wurde immer demokratischer. Viele Menschen konnten wählen, wurden reich, konnten teilhaben, und es kamen viele Immigranten ins Land. Was macht man da? Es wird immer schwerer, den Laden zu verwalten wie einen privaten Club, so mϋssen wir logischerweise kontrollieren was die Menschen denken. Die Lehren des Edward Bernais mϋssten angewendet werden von der intelligenten Miniorität, um sicher zu machen, dass die aufstrebende Mehrheit auf Kurs bleibt. Wir können das, denn wir haben nun die Methoden”. (What makes Mainstream Media Mainstream, Noam Chomsky, 1997).
Am 12 Januar 1919 trafen sich die Vertreter aus 27 Nationen in Paris, angefϋhrt von Wilson, USA. (randvoll mit guten Vorsätzen und einem 14-Punkte-Plan im Gepäck), Lloyd George, Britannien, (“Ich sitze hier zwischen Jesus und Napoleon”), Clemenceau, Frankreich, (mit dem dringenden Bedϋrfnis, das Image der “La Grande Nation” wieder herzustellen) und Orlando, Italien. Eine “Friedenskonferenz” von besonderer Art, bei der neue Nationen geschaffen wurden, ohne Rϋcksicht auf historische und kulturelle Zusammenhänge, bei der die Saat fϋr neue Konflikte gesät wurde. England, USA, Frankreich und Japan unternahmen noch bis 1921 den vergeblichen Versuch, den seit 1917 (mit U.S. Unterstϋtzung) aufgekommenen Bolschewismus zu zerschlagen. Daraufhin veröffentlichte Stalin peinliche Dokumente (a la WikiLeaks), aus denen hervorging, dass “des Wahnsinns fette Beute” schon in den Jahren 1915-16 in geheimen Verträgen aufgeteilt worden war ( Sykes-Pycot und London). Jeder bekam ein Stϋck von dem Kuchen und Wilson mit seinen 14 Punkten wurde weitgehend ignoriert. Statt die eroberten Gebiete Kolonien zu nennen, wurde der Tarnbegriff Mandat modern. Marschall Foch, Kommandeur der verbϋndeten Heere hatte diese Idee: “Um die westwärts gerichteten Unternehmungen dieses Volkes zum Aufhören zu bringen, eines Volkes, das allezeit kriegerisch gesinnt war,…eines Volkes, das immer nach der Weltherrschaft strebt, hat die Natur ein Hindernis geschaffen – der Rhein … Von nun an wird der Rhein die Westgrenze der deutschen Stämme sein.” (Lloyd George, Ist Wirklich Friede?).
Foch benutzte ein Prinzip das oft gebraucht wird, um die eigene Sache voranzubringen: Die Realität auf den Kopf stellen und dann die Geschichte lautstark propagieren. Lloyd George schrieb solche Dinge nur um das zentrale Prinzip der britischen Aussenpolitik zu fördern, “the balance of power.” Frankreich durfte nicht zu stark werden, darauf zielte der Inhalt seines Buches.
Die Methoden, Sϋndenbock finden, endlose Wiederholung und die Realität auf den Kopf stellen, wurden von dem privaten Club, der sich inzwischen wie ein Krebsgeschwϋr weiter ausgebreitet hatte, erfolgreich umgesetzt. Nach dem verheerenden Krieg und infolge der Versailler Diktate, musste es zu einer Depression kommen. Ausgelöst in der USA durch skrupellose Bankiers, verbreitete sich die Depression weit und breit, ideale Bedingungen fϋr eine Revolution. In diesem Falle nach einer kommunistischen, nun eine faschistische Revolution, beide bewusst oder unbewusst Steigbϋgelhalter der “liberalen” Marktwirtschaft.
“Die Zeit von 1914 bis Ende 1920 muss fϋr die Eltern ungeheuer schwer gewesen sein. Einige Zeit hatte der Vater fast den Mut aufgegeben, wollte die Farm verkaufen, um nach Brasilien oder Argentinien auszuwandern. Wir Kinder (4 Söhne und eine Tochter) waren alle dagegen, denn Ondekaremba oder Sϋdwest war unsere Heimat.” (Ondekaremba, Martin Rust, Seite 112).
Fϋr Erich Rust galt es nun zum dritten Male, die Ärmel hochzukrempeln und unter unsicheren Bedingungen einen neuen Anfang zu wagen. “Die militärische Eroberung wurde ‘menschlich’ durchgefϋhrt, aber die ‘friedliche Durchdringung’ war schlimmer.”(Ondekaremba, Erich Rust, Seite 42).
Das war die Ansicht eines unabhängig denkenden Menschen. Wie wϋrde er wohl die “geistige/ mediale Durchdringung” dieser Tage, locker aufgemischt mit utopischen Wunschvorstellungen und Schickeria Trivialitäten (Die Leute heute Leute, hallo Schwachsinn, Promis und Royales) abschätzen?
“Es gehört zwar in Deutschland seit 1918 zum guten politischen Ton, auf den jeweiligen historischen Vorgängerstaat mental einzuprϋgeln; das bedeutet aber noch lange nicht, dass man im Nachfolgestaat auf einer Insel der Glϋckseeligen lebt“ … Die Qualität einer freien Meinungsäusserung wird vom Ottonormalzuhörer nicht nach ihrem Inhalt beurteilt, sondern danach, wer diese Meinung äussert und woher er kommt. Bei eigenen Äus- serungen steht die Angst, sich zu isolieren, gleichberechtigt neben der Angst, Beifall von der falschen Seite zu bekommen … Kurios wird es, wenn dann solcherart geistig enteignete und vom “Dämmerschlaf des Konformismus” (Wolfgang Sofsky) eingelullte Menschen allen Ernstes glauben, Zivilcourage zu demonstrieren, wenn sie die massenmedial eingepeitschte, angebliche Mehrheitsmeinung vertreten”. (Totalitärer Liberalismus, Thor von Waldstein).