Propaganti: A weapon of myth destruction
A weapon of myth destruction

Ein Rückblick. Teil 2. – Bis 1939.

So waren alle Familienmitglieder damit beschäftigt, die Farm weiter zu entwickeln und die mit Hindernissen reich bestückten Nachkriegsjahre zu überwinden. Martin Rust (1907 – 2005) verbrachte die Jahre 1928 – 1929 in Deutschland zur Ausbildung. Dieser Aufenthalt war teilweise möglich, dank einer Pensionsrücklage des Grossvaters Gustav Fels, vormalig Rechtsanwalt und Bürgermeister von Eberswalde. Martin verbrachte den grössten Teil der Zeit an der Landwirtschaftsschule in Görlitz, fühlte sich aber in Deutschland nicht sehr wohl und kehrte bald nach Südwest zurück. Ein paar ruhelose Jahre verbrachte er noch in verschiedenen Anstellungen. Aushilfe auf verschiedenen Farmen, in einer Bautruppe, die im nördlichen Kapland unterwegs war und zuletzt als ‚Stockman‘ bei der Liebig Meat Company, die im Khomas Hochland eine grosse Rinderfarm betrieb. Dort war Martin für die Versorgung von etwa 2000 Rindern verantwortlich in einem Teil des riesen Areals, das fast nur zu Pferd zugänglich war. Sein Monatsgehalt betrug damals 5 Pfund. Der Drang, eigenständig werden, war aber zu gross und der nächste Schritt war vorprogrammiert. (Liebig Company wurde 1865 von Baron Justus von Liebig mit britischen Teilhabern in London gegründet und besass 2 – 3 Millionen Hektar Weideland in Südafrika, Südwestafrika, Rhodesien und Südamerika. Schwerpunkt OXO Fleischextrakt und Corned Beef)
Im Jahr 1936 entschloss sich Martin, selbstständiger Farmer zu werden und pachtete zusammen mit seinem Bruder Godo die Farm Jonkersgrab im Khomas Hochland. Vater Erich Rust unterstützte den Schritt mit 350 Schafen. Godo pachtete bald eine Farm im Rehoboth Distrikt und konnte sich später eine Farm im Erongo Gebirge kaufen.

Haus Jonkersgrab. 1936 – Martin und Marga Rust
Haus Okatjetswambo.   1940Martin Rust mit seinen 2 kleinen Töchtern

Schon im folgenden Jahr lernte er Marga Sophie Wilhelmine Mundt in Windhoek kennen, und die zwei heirateten  kurz darauf auf Onderkaremba. Marga (geb. 1912 in Sinsen Westfalen) war 1936 als Säuglingsschwester nach Südwest gekommen. Ihre Ausbildung hatte sie an der modernen Kinderklinik in Essen absolviert. Wie wäre es ihr wohl in Deutschland ergangen, wenn sie diesen Umzug nach Südwest nicht unternommen hätte.

Die moderne Essener Kinderklinik, geplant 1927, Baubeginn 1929, Übergabe 1931.
Die Kinderklinik nach dem ersten Bombenangriff 1942, Sicherung gegen Brandbomben 1943, fast totale Zerstörung 1944, Unterkunft für ausgebombte Personen aus der Umgebung in den Überresten der Klinik bis 1945. Wiederaufbau 1949 – 50.