Das grosse Republikanische Experiment Frankreichs hat im Völkerleben nichts geändert ausser einem: Die Verantwortung wurde anonym und der Hass persönlich! Man konnte nicht mehr sagen: ‚ Ludwig 14 hat die Pfalz niedergebrannt‘, sondern ‚die Franzosen haben‘… Ich glaube, das Leben ist dadurch um einen Zug böser geworden… In einem Separatfrieden wurde den Franzosen das ganze linke Rheinufer sang – und klanglos zugestanden…Am 27 Juli 1794 kam eine Aufregende Nachricht aus Paris: Die Revolutionspartei, in der sich keiner mehr seines Lebens sicher fϋhlte, hat Robespierre hingerichtet! Frankreich hatte sich den Kopf abgeschlagen!“
Koalitionskriege gegen Napoleon. 1792 – 1815.
„Nach der französischen Revolution fühlte man sich durchaus nicht mehr als blinde Henne oder Spielball anderer Mächte, sondern als nüchtern und ‚aufgeklärt‘. Das war es, was die Masse mit gesundem Menschenverstand meinte. Dagegen setzte man seine höchste Energie darein, irgendwelche winzigen Rechte und ‚Freiheiten‘ von seinem Fϋrsten zu ergattern. Wem das gelang, der galt als der Klϋgste und Fortschrittlichste von allen, ein wahrer Anwärter auf den Aussenministerposten…
Leicht abgewandelt wurde diese Aussage küzlich untermauert mit dem Aufstieg eines, grün angehauchten, randalierenden Taxifahrers, zum deutschen Aussenminister, 1998 – 2005.
Napoleon schlug sich dann, [nach seinem misslungenen Ägypten Feldzug] wie die Geschichtsbücher lehren, heldenhaft auf dem Landwege durch, eilte in einer kϋhnen Bootsfahrt seinen Soldaten voraus nach Frankreich, wurde vom Volk jubelnd begrϋsst, sprengte in einem kϋhnen Handstreich die rat– und tatlose ‚Volksvertretung der Fϋnfhundert‘ und wurde von den Truppen und der Menge zum Staatschef ausgerufen. Die Massen bauten felsenfest darauf, dass sich nun wieder viel Ruhmreiches fϋr Frankreich ereignen wϋrde...Keiner ahnte, dass in dem jungen Franzosen [gebϋrtiger Italiener] ein europäischer Dschingis-Khan steckte...
Der Kampf begann, als Napoleon noch im Orient war. Kaum zurückgekommen, machte er kurzen Prozess. Die Schlachten fanden auf deutschem Reichsboden statt, ganze Landstriche sahen grauenhaft aus, Städte und Dörfer brannten, Tausende von Toten bedeckten die Felder. Der kleine General mit dem prallen Bauch in den weissen Stutzenhosen empfing stumm und eisig die Gesandten, die um Frieden baten. Er diktierte einen Frieden dass sie staunten…
In Wien war man zu Tode erschrocken. So hatte man sich diesen Mann nicht vorgestellt. Die Franzosen waren berauscht. Gloire! Gloire! Liberte‘, Egalite‘, Fraternite‘ – alles war ϋber Bord gegangen… Am 18. Mai 1804 machten sie es wahr: Sie riefen den General Napoleon zum Kaiser der Franzosen aus.„
Goethe hat diese Zeit hautnah miterlebt, und seine Einschätzung ist aufschlussreich. „Gesetzgeber und Revolutionäre, die Freiheit und Gleichheit zur gleichen Zeit versprechen, sind entweder Psychopathen oder Scharlatane.“
„Jetzt kam es Zug um Zug. Preussen zog in Hannover ein, England erklärte Preussen den Krieg. Schweden schloss sich England an. Napoleon bot Hannover England an. Er besetzte zugleich mit seinen französischen Truppen preussisches Gebiet. Da stand er nun, der gutgläubige Michel. Napoleon hatte den Krieg, den er haben wollte. Frankreich reichte nun von Gibraltar bis Lϋbek.“
Aber Napoleon hatte noch nicht genug.
„Noch einmal wurde Europa in die Zitronenpresse gelegt und herausgeholt, was möglich war. Im Mai 1812 ergoss sich ein fϋr damalige Vorstellungen phantastische Welle von Soldaten nach Russland hinein, ϋber eine halbe Million Franzosen, Deutsche, Italiener, Schweizer, Holländer, Spanier und Polen. In der Fremdenlegion marschierten allein 30 000 Bayern, 30 000 Österreicher, 20 000 Preussen. Hinter ihnen standen die Bajonette der Franzosen. Inmitten seiner Garde ritt der kleine spitzbäuchige Revolutionsgeneral, jetzt Nachfolger Karls des Grossen, gen Osten…
Der Osten zeigte zum ersten mal das System der ‚verbrannten Erde‘. Es ist alles schon mal dagewesen, sagt Ben Akiba. Man muss nur seine Geschichte kennen…Von 30 000 Bayern, die ausgezogen waren, kehrten 27 000 nicht wieder heim. Wofϋr? Auf dem Obelisk, den König Ludwig von Bayern diesen Toten in Mϋnchen errichten liess, steht die Lϋge: ‚Auch sie starben fϋr des Vaterlands Befreiung‘…
Auf diesem Trϋmmerfeld Deutschland, in dieser hoffnungslos erscheinenden Situation stand ein Land auf. Urplötzlich. Preussen erhob sich. Das phantastische Schauspiel des Verzweiflungsausbruchs eines ganzen Volkes, der Befreiungskampf 1813/14 begann. Die Vorgeschichte ist hochinteressant und wesentlich anders, als sie gelehrt zu werden pflegt…Yorck, der kommandierende General der Preussen, hatte sich beim Russlandfeldzug ganz abwartend verhalten und dann von den Franzosen gelöst. Auf eigene Faust schloss er mit den Russen das Bϋndniss von Tauroggen gegen Napoleon…Scharnhorst bildete ‚im Rahmen des Erlaubten‘ im Schnellverfahren eine neue Armee aus. Das war der Befehl des Königs, Friedrich Wilhelm 3, der plötzlich nicht mehr Orgel spielte sondern Befehle unterschrieb. Er wusste auch, wie Tauroggen zustande gekommen war: Sämtliche russischen Generäle, die die Verhandlungen fϋhrten, waren geborene Preussen: General Diebitsch, Oberstleutnant Clausewitz, Oberstleutnant Dohna…
Die Drohung des Zaren war das Einzige, was Napoleon abgehalten hat, Preussen vollständig auszuradieren. Er hatte es vor. Er hat dem Zaren die Teilung der Weltherrschaft in Ost und West, mitten durch Deutschland angeboten. Dieses Angebot ist also auch nicht neu…
Die wenigsten wissen, wie die genauen Bedingungen des Friedens [vor Napoleons Feldzug nach Russland] mit Preussen aussahen: Er nahm genau die Hälfte des Landes weg. Die Weichselmϋndung und der ‚Freistaat‘ Danzig wurden französisch besetzt. Das restliche Preussen erhielt eine Besatzungsmacht von 160 000 Mann, damals eine ungeheure Zahl. Alles ging auf Kosten Preussens. Dazu kam eine ‚Kriegsentschädigung‘, deren Jährliche Zahlen nicht einmal festgesetzt wurden.“
Napoleon endlich besiegt.
„In Wien trat der Friedenskongress zusammen. Der Komet war versunken, er ruht in Paris unter einem Marmorhimmel, und der bombastische Triumphbogen schaut von der Champs-Elisees herüber. Das Volk hat sehnsüchtig nach Wien geschaut, wo der Kongress tagte. Es ahnte ja nicht, dass wir Deutschen nur Handlanger gewesen waren, neununddreissig Kleinstaaten, einzeln machtlos und in keiner Gewerkschaft…Frankreich, das unentbehrliche Requisit des ‚europäischen Gleichgewichts‘ blieb fast unangetastet…Alle internationalen Reibeflächen wurden sorgfältig beibehalten, keine Grenzsinnlosigkeit beseitigt. Der Zustand war ja zu schön. Machtlos sah das Bϋndel deutscher Länderdelegierter zu…Die Engländer hatten Hannover wieder in Besitz genommen…Die Enttäuschung unter den 39 deutschen Ländern war masslos…
Ein englischer Diplomat hat einem deutschen Gesandten gegenϋber das Urteil ausgesprochen. Er sagte: ‚Ihr seid eine entmannte Nation!‘ „
Was lehrt uns die Geschichte: Manche Lichtgestalten finden ihre letzte Ruhestätte unter Marmor, andere werden unter Geschichtsmϋll verscharrt.
Bismarck’s Kurzkrieg, Preussen gegen Österreich. 1866.
„Der offizielle Grund fϋr den Konflikt mit Österreich war: Österreich wollte einen 40. Bundesstaat aus Schleswig-Holstein machen, Preussen verlangte das Ende der Kleinstaaterei und die Einverleibung – ein Teil nach Österreich, der andere Teil nach Preussen…In Wien erkannte man allmählich, dass Bismarck es auf eine Machtprobe anlegte…