



Goethe, der alte Fuchs, hatte genau erkannt welche Instinkte die Machtstrukturen schon damals lenkten.
„Was ihr den Geist der Zeit heisst, das ist im Grunde der Herren eigener Geist, in dem die Zeiten sich spiegeln.“
(J.W.v.Goethe – 1749 – 1832)
Lange vor Goethe hat Niccolo Machiavelli (1469 – 1527) das, von moralischen Aspekten befreite Denken der politische Klasse so beschrieben; „Wer am besten Fuchs zu sein verstanden hat, ist am besten gefahren! Doch muss man sich darauf verstehen, die Fuchsnatur gut zu verbergen und Meister in der Heuchelei und Verstellung zu sein.“
Die erwähnte Bibliothek auf Ondekaremba war recht umfangreich und vielschichtig, wurde hier und da ergänzt von Durchreisenden, Hauslehrern und zur Genesung auf der Farm weilenden Schutztrupplern. So kam es, dass auch Bücher, die man in einem relativ streng religiösen Haushalt nicht erwartete, dort landeten und nicht entfernt wurden. In der abgelegenen Gegend war an einen regulären Schulunterricht nicht zu denken, und die sporadisch fungierenden „Hauslehrer“ konnten auch nur notdürftig aushelfen. Familie Rust hatte vier Söhne und seit Nov.1921 eine Tochter. Ein Nachkriegskind nannte man das, und keiner ahnte, dass die nächste Generation abermals solche Nachkriegskinder zeugen durfte. Die Kinder auf Ondekaremba mussten sich früh mit Büchern beschäftigten, die eher für Erwachsene bestimmt waren. Brehms Tierleben war angemessen, aber Reineke Fuchs und Knauers Lexikon weniger.
Selbst religionskritische Bücher des Ehepaars Ludendorff standen dort in den Regalen. Meines Wissens nach haben sich alle Kinder später von jeglicher Religion abgewandt und neigten als Erwachsene zum Skeptizismus, alles kritisch zu hinterfragen. Es ist erstaunlich, dass das Buch Reineke Fuchs die Kinderhände überlebt hat und sich heute noch, von einem Herrn Fuchs restauriert, im Familienbesitz befindet.
Die Zeit nach 1918 stellte in vieler Hinsicht, eine neue Aufbauphase dar. Die Spanische Grippe grassierte in Windhoek, Petroleum und Geld waren rar, und 1919 wurden die Hereros wieder unruhig. Zu allem Überfluss setzte wenig später eine mehrjährige Dürre ein. Ondekaremba war nach wie vor ein beliebter Ausspannplatz für Durchreisende aus der Gobabis Gegend, unterwegs nach Windhoek. Eine Tagesreise vor Windhoek, war die Farm, mit dem grossen Haus ideal gelegen. Leider wurde die Gastbereitschaft der Familie Rust oft über die Masse beansprucht und, abgesehen von der Geldknappheit, eine Zumutung für die Frauen, die den Haushalt leiteten. So baute Erich Rust am Ufer des Seeis Trockenflusses ein Gästehaus für Durchreisende. Das Projekt scheiterte allmählich an der Unzuverlässigkeit der Pächter und an dem Geldmangel mancher befreundeter Familien auf der Durchreise, die sich allzu sehr an die Gastfreundschaft der Rust Familie gewöhnt hatten.
Zurück nach Versailles
Die genauen Bedingungen der Versailler Diktate sind weitgehend dokumentiert, aber um die Tragweite dieser Orgie zu erkennen, muss eine Kurzfassung herhalten.
„Das Deutsche Reich vertraute auf die Zusicherung, dass Wilsons Vierzehn Punkte die Grundlage fϋr die Friedensbedingungen sein sollten. Doch waren Frankreich und Grossbritannien in ihren internen Plänen nicht bereit, einen solchen Vorvertrag anzuerkennen. Die Geheimverträge aus dem Weltkrieg sowie die durch die Kriegspropaganda aufgeputschte öffentliche Meinung standen dem entgegen…Das massgebende Gremium wurde der Rat der Zehn mit je zwei Vertretern der 5 Grossmächte. Dieser wurde im März auf den Rat der Vier reduziert…Wilson unterlag in allen Einzelfragen der Verteilung des Kriegsgewinns dem härteren politischen Willen der britischen und französischen Staatsmänner…Es kam Lloyd George in erster Linie auf die Vernichtung der deutschen Kolonial- und Seemacht an, während Clemenceau, schärfer noch General Foch, das französische Sicherheitsbedϋrfnis durch grosse Forderungen im Rheingebiet zu befriedigen suchte…Sie waren sich ferner einig in der moralischen Verurteilung der deutschen Führung, bes. des Kaisers, dem die alleinige Schuld zugesprochen wurde…Im übrigen wurde der Vertrag streng durchgeführt. Die noch nicht endgültig geregelte Reparationsfrage blieb infolge der Masslosigkeit der Forderungen jahrelang ungelöst… Auch die Frage der allgemeinen Abrüstung, die nach dem V.V. nach der deutschen Abrüstung der Beginn einer allgemeinen Abrüstung sein sollte, blieb auf den Abrüstungskonferenzen bis 1933 stecken…Trotz aller Selbstsicherheit der Sieger, die von der Gerechtigkeit ihres Kampfes für ‚Freiheit‘ und ‚Demokratie‘ gegen ,Autokratie‘ und ‚Militarismus‘ überzeugt waren, war schon 1919 unter ihnen die Auffassung verbreitet, dass der V.V. in wesentlichen Punkten den Grundsätzen des geltenden Völkerrechts widersprach …Der V.V. hat die noch ungefestigte Weimarer Republik schwer belastet, da er die verhängnisvolle These des Zusammenhangs von Demokratie, Niederlage und ‚Erfϋllungspolitik‘ zu bestätigen schien, und da die durch die Reparationszahlungen mitbedingte Wirtschaftskrise zur Massenarbeitslosigkeit in Deutschland führte. Hitler gewann dadurch seine zugkräftigsten Propagandaparolen.“ (Der Grosse Brockhaus. 1957.)
Gebietsverluste und Reparationen. Teilauflistung.
Eupen und Malmedy, nach einer betrügerisch durchgeführten „Volksbefragung“, an Belgien. Elsass-Lothringen ohne Abstimmung an Frankreich. Posen und Westpreussen an Polen. Hutschiner Ländchen an die Tschechoslowakei. Der im Nov. 1918 neu gebildeten Republik „Deutsch-Österreich wurde der „Anschluss“ verboten. Alle Kolonien an den Völkerbund, zur Verteilung als Mandate. Vom alten Reichsgebiet wurden 70 579 Quadratkilometer mit 7,3 Millionen Einwohnern abgetrennt. Deutschland verlor 75% seiner jährlichen Zink- und Eisenerz Förderung, 28% Steinkohle, 25% seiner Kartoffel/Roggen/Gerste und Weizen Ernten. Die grossen Flϋsse sowie der Kieler Kanal wurden internationalisiert. Fast die gesamte Handelsflotte und die Überseekabel wurden beschlagnahmt. Die deutschen Wälder wurden niedergekloppt, wie 25 Jahre später auch wieder, was zu dem maroden Zustand der Wälder dieser Tage führte. Das Wiedererstarken der deutschen Wirtschaftsmacht sollte verhindert werden, und um dem elenden Treiben einen halbwegs respektablen Anstrich zu verleihen, wurden das deutsche Parlament und der Kaiser „wegen schwerster Verletzung des internationalen Sittengesetzes und der Heiligkeit der Verträge“ als „Kriegsverbrecher“ belangt. Gleichzeitig setzte eine gnadenlose Propagandakampagne ein, wie schon erwähnt, noch nicht so ausgefeilt wie in späteren Jahren.