Bismarck wusste, dass Frankreich seine Augen auf Belgien geworfen hatte. Er kannte Napoleon 3., den Neffen des Welteroberers, der gerade wieder mal eine Monarchie aufgerichtet hatte, gut aus seiner Pariser Zeit. Er sagte ihm die französischen Gelϋste auf Belgien auf den Kopf zu. Napoleon gestand verblϋfft. Darauf erklärte Bismarck ihm folgendes: Frankreich wird, wenn es sich Belgiens bemächtigt, sofort England zum Gegner haben. Es wird auch Wien zum Gegner haben. Es wird Preussen brauchen, wisperte Bismarck vertraulich…Das leuchtete dem Franzosen ein…Österreich, beeilte sich: Es wandte sich an den Bundestag und klagte Preussen an. Es machte, vor allem an die Süddeutschen Länder, Versprechungen. Die billigste kaiserliche Beamtentour wurde geritten…10 Tage nach Kriegsbeginn fiel in der Schlacht bei Königsgrätz bereits die Entscheidung. Moltke besiegte die Österreicher vollständig…König Wilhelm war begeistert. Siehe da! Er wollte geradewegs nach Wien marschieren. Jetzt kam Bismarcks ganze Grösse zutage. Er trat dieser stϋrmischen Hochstimmung schroff entgegen, drohte dem König mit seinem Rϋcktritt, wenn die Truppen auch nur einen Schritt weitergingen…Österreich wurde wie ein Gentleman behandelt. Die sϋddeutschen Länder, die auf Wiens Seite gewesen waren und nun zitterten, bekamen kein Haar gekrϋmmt.“
Es ist erwiesen, dass seit der dritten französischen Revolution immer wieder polnische und französische Berufsrevolutionäre in deutschen Grossstädten auftauchten, um ihre Ideologie zu verbreiten. Im Jahr 1866 versuchte einer dieser „Demokraten“, namens Cohen-Blind, Bismarck zu ermorden. In späterer Zeit neigten einige Historiker und Philosophen zu der Ansicht, dass Bismarcks Politik die Fortentwicklung der Demokratie behindert hätte. Wie man sich zu solch einer Ansicht versteigen kann, ist ein Rätsel. Bismarck war ϋberzeugter Parlamentarier. (Nicht zu verwechseln mit dem heute, weit verbreiteten demokratie-fernen Lobbyismus.) Wie Fernau schildert, war es Bismarck, der den Franzosen nach drei gescheiterten Revolutionen und drei Napoleonen, dabei half, eine nachhaltige Demokratie zu errichten, indem er ihnen den letzten Napoleon vom Hals schaffre. Eine Monarchie förderte er nur, weil er erkannt hatte, dass sehr viele Menschen von ihren angebeteten Götzengestalten abhängig sind. Das ist kein Geheimnis, man braucht sich nur die heutigen „Sozialen Netzwerke“ und die entsprechenden Programme in den Staatssendern anzusehen. Bei diesen „Followers“ sind in der heutigen Zeit, die Ansprϋche bei der Auswahl der Ikonen, sehr bescheiden. Zum Teil sind sie schon mit einem behinderten, ferngelenkten Teenager zufrieden. Der Personenkult verhindert auch dass das Volk auf die Idee kommt,sich selbst zu verehren.
Bismarck’s Kurzkrieg. Deutsch – Französischer Krieg. 1870 – 1871.
„Napoleon III verlangte fϋr sein wohlwollendes Stillhalten [in dem Krieg von 1866] in aller Unschuld die deutsche Pfalz, Hessen, Belgien und Luxemburg. Bismarck liess sich das schriftlich geben. Als er es hatte, steckte er den Brief in die Tasche und lehnte ab. Jeder der den Brief lesen wollte, bekam ihn zu sehen…Es verbreitete sich das Gefühl dass Bismarck eine Politik ohne Ränke trieb. Zwanzig nord und und mitteldeutsche Staaten baten um Aufnahme in
Bismarcks ‚Norddeutschen Bund‘…Es war klar, dass sich das Ausland diese Machtansammlung bei Preussen und die Einigung des Reiches auf keinen Fall gefallen lassen wϋrde…Bismarck wusste, wer zuschlagen wϋrde…
Napoleon 3. war eine Einmischung in Polen missglückt. Seine Expedition nach Mexico, vollkommen irrsinnig, war gescheitert. Einen geplanten Zug nach Syrien und seine Besetzung hatte England verhindert. Der Anschlag auf Belgien war von Preussen vereitelt. Die Finanzen standen schlecht. Das ganze Offizierskorps litt schrecklich unter mangelnder Gloire…